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10.3 Fabelwesen und Allegorien

Als Allegorie bezeichnet man die bildhafte Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Vorgangs. In der bildenden Kunst tritt sie besonders als Personifikation auf: So kann beispielsweise ein Löwe für Kraft (10_3-000m) stehen, eine in unbestimmte Ferne schauende Frau versinnbildlicht Sehnsucht (10_3-000o). Attribute wie Kreuz, Herz und Anker verweisen auf die Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung (10_3-014m, vgl. auch 10_1-016 ff.). Auch die Körperhaltung kann einen Gefühlszustand oder Vorgang ausdrücken: So wird etwa »das Weinen« durch eine auf die Knie gesunkene Frau mit langem fließendem Haar verkörpert (10_3-000p). Beliebt sind Darstellungen von Tugenden und Lastern: »die Mutterliebe« (10__3-000n), »Kraft und List« (10_3-000m).

Der Jugendstilkünstler Fidus (eig. Hugo Höppener, 1868–1948) präsentiert auf seinen Sinnbildern Ideale von einigen Reformbewegungen seiner Zeit, denen er sich verbunden fühlte. Als Anhänger der Freikörperkultur zeichnet er den Menschen als Natur in der Natur (10_3-001, -002). Seine Gestalten sind stark typisiert. Gesichtszüge, Haare, Naturelemente sind ornamental gefügt und oft symmetrisch ausgerichtet (10_3-004, -001). Als Ausdruck der »All-Einheit« oder »Allbeseelung«, einem zentralen Grundsatz der um die Jahrhundertwende vieldiskutierten monistischen Lehre, sind verschiedene Bildbestandteile miteinander verflochten (10_3-003). Fidus verstand seine Bilder, die er im Selbstverlag vertrieb, als weltanschauliche Botschaften. Innerhalb bestimmter weltanschaulicher Gemeinschaften war gegen Ende des 19. Jahrhunderts Luzifer, der »Lichtträger«, in Mode gekommen. In ihm wurde der Widersacher verehrt, der sich gegen die Autorität Gottes aufgelehnt hatte. Fidus sah ihn als den »ältesten Sohn Gottes, der das Ichbewusstsein hervorzuschüren hat« (10_3-004).

Auch andere der in dieser Rubrik dargestellten Phantasiegeschöpfe aus Märchen, Fabel und Mythologie sind der Natur in besonderer Weise verbunden: Vielfach handelt es sich um Naturgeister, die einem bestimmten Ort in der Natur zugeordnet sind. So ist das Element der Nixen das Wasser (10_3-011), die Elfen gehören zu den Erdgeistern und wohnen manchmal in Blumen (10_3-024) und die Heimat der Feen sind Wälder (10_3-014), Felsgrotten oder Quellen. Während Feen und Elfen gern tanzen (10_3-023), ist es ein charakteristisches Merkmal der Nixen, dass sie Männer betören und auf den Grund des Wassers ziehen (10_3-013).
Anders als die meisten anderen Fabelwesen gehen die unterirdisch lebenden Zwerge einer Arbeit nach (10_3-017, -018), meist sind sie geschickte Handwerker. Der Ursprung des Zwergenmythos liegt möglicherweise im Bergbau. Aus der antiken Mythologie stammen Faun und Pan, die für Fruchtbarkeit sorgen, aber die Menschen auch gern erschrecken (10_3-022).

Traditionell gilt die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, als die Nacht, in der die Hexen ein großes Fest abhalten. Schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts galt der Brocken, der höchste Berg Norddeutschlands und des Harzes (1141 m), als ein solcher Treffpunkt. Seit dem 17. Jahrhundert sind mit Felsformationen auf dem Brocken Namen wie »Teufelskanzel« und »Hexenaltar« verknüpft worden. Walpurgisnacht-Darstellungen mit dem bocksbeinigen Höllenfürsten, der auf der Teufelskanzel Hof hält, um die sich die Hexen versammeln (10_3-006), sind wohl Goethe geschuldet, der der den Brocken im Winter 1777 erstmals bestiegen hatte und ihm in der Walpurgisnachtsszene des »Faust I« ein dichterisches Denkmal setzte: Bei ihrem Aufstieg auf den Gipfel geraten Faust und Mephisto in einen Wirbel von Hexen, die auf Böcken, Gabeln und Besen zur Bergspitze hinaufreiten (10_3-008): Darunter sind hagere, alte Frauen, aber auch schöne junge Mädchen, mit üppigen Formen, nacktem Oberkörper und langem, wallendem Haar (10_3-010). Sogar das im Faust genannte Schwein findet sich wieder (10_3-007), und natürlich fehlen auch Katzen und schwarze Vögel als die traditionellen Gefährten der Hexen nicht. Als humorvolles Beiwerk ist auf einigen Karten auch des Teufels Großmutter mit Häubchen und Schürze abgebildet (10_3-007). Neben dem Brocken galt auch der Hexentanzplatz, ein Plateau (454 m), hoch über dem Bodetal gelegen, als Treffpunkt der Hexen (10_3-009).
Eigentümlich ist die Verbindung von Sage und realen Gegebenheiten, denn im Hintergrund vieler Karten ist stets das Brockenhotel in seinem jeweils aktuellen Bauzustand abgebildet: zunächst mit eckigem Turm (10_3-010), nach 1891/92 dann mit dem neuen runden Turm (10_3-005). Direkt neben dem Haus wurde 1895 ein Observatorium errichtet (10_3-005m). Das dreistöckige Hotel bot Platz für viele Reisende, denn immer mehr machten sich an den mühevollen Aufstieg auf den sagenumwobenen Berg (10_3-005mb, -005mc). Auch ohne Hexen wird der Brocken gern in geheimnisvoller Nachtstimmung wiedergegeben (10_3-005m, -005ma). (Friederike Ramm)

Literatur: Alfred und Dieter Linke: Gruß vom Brocken. Nostalgisch bis informativ [Bildpostkarten vom Brocken], Bad Lauterberg/Herzberg 1993.

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53 Bilder, letzte Aktualisierung am 02.Februar 2015