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7.3 Backfische

Als »Backfisch« bezeichnete man bis in die 1950er Jahre hinein ein Mädchen im Teenager-Alter. Der Ausdruck stammt ursprünglich aus dem Fischfang und bezeichnet sehr junge Fische. Eine mögliche Herleitung des Begriffs geht davon aus, dass diese Fische ihrer geringen Größe wegen zurück (»back«) ins Meer geworfen wurden. Entsprechend wurde der Eintritt eines Mädchens in die Backfischzeit (»mit 14 Jahren und 7 Wochen«) auch mit gebratenen »Backfischchen« gefeiert.

Wie auf den Bildpostkarten dieser Rubrik zu sehen, waren Mode und Schönheit ein wichtiges Thema für die Backfische. Mehrfach sind sie mit Spiegel abgebildet, in dem sie den neuen Hut oder einfach sich selbst betrachten (7_3-002, -029, -047). Andere Karten zeigen die neueste Mode, öfter in Verbindung mit Blumen (7_3-008 bis -011, -050). Aus den Anstandsbüchern der Zeit und den unterhaltend-belehrenden »Backfischromanen« –sie dienten dazu, die jungen Damen zu Moral und gutem Benehmen zu erziehen – geht als Ideal hervor, dass die Kleidung der höheren Tochter einfach, sauber und kleidsam zu sein hatte, alles Auffallende sollte gemieden werden (7_3-000 bis -003). Schmuck findet sich selten, wenn dann ein schlichtes Kettchen, ein einfaches Kreuz (7_3-014, -018); die Haare sind meist mit einer großen Schleife zusammengefasst.

Oft tragen die Mädchen auf den Abbildungen helle oder weiße Kleider, vielleicht als Zeichen ihrer Unschuld, der damals wichtigsten Tugend überhaupt (7_3-002 bis -004, -012 bis -14). In prekärer Spannung dazu neigen aber gerade viele Backfischdarstellungen zu erotischen Anspielungen: Das kleine Mädchen im Boudoir, scheinbar unschuldig hinter dem Paravent hervorlugend, das offene Haar verwuselt und die Kleidungsstücke auf dem Boden verstreut (7_3-016), oder das arglos dreinblickende Badenixchen (7_3-015) machen offenbar, dass dieser Zwischenzustand zwischen Kind und Frau für die – wohl vor allem männlichen – Betrachter besonders reizvoll ist. Halb ausgezogen, mit Unterrock, schwarzen Strümpfen und hochhackigen Schuhen werden die jungen Damen in ihrer privaten Sphäre gezeigt, die vertraute Nähe zwischen den Freundinnen verstärkt die erotische Ausstrahlung (7_3-020). Auf dem Bett sitzend oder vor dem Spiegel beim Entkleiden werden Einblicke ins Dekolleté gewährt (7_3-021), und unter dem durchsichtigen Stoff sind die femininen Reize bereits deutlich zu erahnen (7_3-046, -057). Der Schreck vor der Maus oder das selbstvergessene Spiel mit dem Kätzchen rechtfertigen verrutschte Hemdchen und eigenwillige Posen (7_3-032 bis -34). Auch die Darstellung von Spiel und Bewegung, zum Beispiel auf der Schaukel oder am Meer, lässt zuweilen unter den wehenden Kleidern die Körperformen deutlicher erahnen (7_3-12). Da das Thema der sinnlichen Liebe, beispielsweise in den Backfischbüchern, höchstens angedeutet wurde, blieb ihm stets etwas Geheimnisvoll-Verbotenes verbunden (7_3-021, -051, 052).

Während die Begegnungen der jüngeren Mädchen mit dem anderen Geschlecht eher im Foppen und Fangen besteht (7_3-004, -005), ist bei den Backfischen der erste Ball von größter Bedeutung, auf den man sich lange vorbereitet (7_3-023). Das erste Verliebtsein wird vielfach durch Amordarstellungen versinnbildlicht, der als Herzensdieb oder Bösewicht tituliert wird (7_3-025, -026) und vor dessen Liebespfeilen es kein Entrinnen gibt (7_3-039). Und auch der Liebeskummer gehört zu einem Backfischleben (7_3-028).

Doch schließlich steht die Zukunft leuchtend vor Augen: Der Stand der Ehefrau, Hausfrau und Mutter galt als die höchste Form des weiblichen Glücks (7_3-030). Wer in seiner Backfischzeit Einfachheit, Bescheidenheit, Fleiß und Güte kultivierte und vor allem sanft wie ein Täubchen war (7_3-031, -056), hatte beste Aussichten, zu einer tugendhaften und sorgsamen Ehefrau heranzureifen. Dass man als Frau auch einen Beruf erlernen konnte, zum Beispiel den der Lehrerin, wird nur auf einer Karte gezeigt (7_3-007). Während die Begegnungen der jüngeren Mädchen mit dem anderen Geschlecht eher im Foppen und Fangen besteht (7_3-004, -005), ist bei den Backfischen der erste Ball von größter Bedeutung, auf den man sich lange vorbereitet (7_3-023, 6_2-005).
(Friederike Ramm)

Literatur: Dagmar-Renate Eicke: »Teenager« zu Kaisers Zeiten. Die »höhere« Tochter in Gesellschaft, Anstands- und Mädchenbüchern zwischen 1860 und 1900, Marburg 1980.

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