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Galerie > 5. Privatmusik > 5.2 Musizieren mit Kindern

5.2 Musizieren mit Kindern

Die Abbildungen dieser Rubrik vermitteln vor allem den Aspekt der Geborgenheit im Schoß der Familie. Die Familie und ihr häusliches Umfeld werden als Hort der Wärme und Zusammengehörigkeit darstellt. Zärtliche Berührungen zwischen Mutter und Töchtern oder der Mädchen untereinander zeugen von Vertrautheit und Nähe (5_2-005, -006, -008m bis -010). Denn anders als der Adel pflegte das Bürgertum ein Familienleben: Spiele wurden gespielt, es wurde vorgelesen, es wurde Musik gemacht – wobei das häusliche Musizieren zu den bevorzugten Unterhaltungen der Frauen und Mädchen gehörte. Männer tauchen hier allenfalls in der Rolle des alten Klavierlehrers oder des helfenden Großvaters auf (5_2-011, -012).

Das Klavier war vor allem ein »weibliches Accessoire«. Im Kreis der Familie ist die Frau für die Hausmusik zuständig: Wenn sie die Kinder am Klavier begleitet oder bei Familienfesten spielt, vermittelt sie eine Atmosphäre von Kultiviertheit und Geborgenheit. Und indem sie ihre Töchter in die Anfänge des Klavierspiels einweist (5_2-001 bis -003) und zum Üben anhält, sorgt sie dafür, dass die bürgerliche Kultur an die heranwachsenden Mädchen weitergegeben wird. Während Jungen sich dem Unterricht und dem lästigen Üben entziehen konnten, wurden Mädchen damit oft regelrecht traktiert. Denn bei ihnen vergrößerte die musikalische Ausbildung den »Heiratswert«; später würden sie sich bei Geselligkeiten und Empfängen mit dem Gelernten zu präsentieren haben.

Das Familienleben fand vorwiegend im gemütlich eingerichteten Salon statt. Wie in der Rubrik »Am Klavier« (5.1.) bildet das gediegene Interieur mit repräsentativen Möbeln, Bildern, Teppichen und Blumenschmuck den äußeren Rahmen (5_2-001), im Zentrum steht aber hier der Flügel, um den sich die Mutter mit ihren Töchtern gruppiert (5_2-007 bis -010). Das gemeinsame Singen und Musizieren wird als Ideal familiären Zusammenseins und der bürgerliche Lebensstil als glückversprechend und nachahmenswert vorgeführt.

Nicht nur die Familienväter, auch die Jungen machen sich auf solchen Salonbildern mit der Mutter im Mittelpunkt rar. Sie sind eher als forsche Einzelakteure auf humoristischen Bildern zu finden, auf denen Kinder als kleine Erwachsene vorgeführt werden: Dort präsentieren sich die Jungen als vorlaute Tenöre, Dirigenten oder Pauker, die den bürgerlichen Salon als sozialen Rahmen nicht in dem Maße zu brauchen scheinen, wie die Mädchen, die sich meist eng an die Mutter halten. Jungen werden in der Regel als die Aktiveren wiedergegeben, die in männlicher Pose, mit großer Gestik oder beherzten Sprüchen die jeweilige Situation beherrschen. So gibt sich »der kleine Dirigent« mit souveräner Gestik und dem unvermeidlichen Taschentuch für die schweißnasse Stirn (fast) wie ein großer … (5_2-018 bis -020). Kinder im Erwachsenenhabitus finden wir auch als »kleine Meister« im Klaviertrio (5_2-016), als »kleine Soubrette« (5_2-014) oder beim »Morgenständchen« eines Matrosenorchesters (5_2-024). Die Darstellung der Eigenwelt des Kindes, deren Entdeckung und Anerkennung zu den großen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts gehört, trifft man dagegen nur auf wenigen Karten an (5_2-022, -021).
(Friederike Ramm)

Literatur: Sabine Giesbrecht: Kinderszenen auf Bildpostkarten zwischen 1900 und 1918. In: Kinderoper und populäre Kinderkultur um 1900, hg. von Gunter Reiß, i.V.

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42 Bilder, letzte Aktualisierung am 13.Oktober 2014