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2.1.1.1 "Unsere Feldgrauen"

Paul Hey, der »Maler heiler Märchenwelten«, behält auch bei der Illustrierung von Soldatenliedern seinen Stil der poesievollen Schilderung von Mensch und Natur bei. So finden wir auch hier die heiteren, sonnenbeschienenen Landschaften, die verstreuten Dörfer, die anheimelnden Fachwerkhäuser, die lauschigen Waldlichtungen, die sternklaren Nächte – nur das Personal ist ausgetauscht: Statt der Wandervögel, Jäger oder fahrenden Gesellen sind es nun die »feldgrauen« Soldaten, die durch diese beschaulichen Welten ziehen. Auch die von Hey in seinen Volkslieddarstellungen behandelten allgemeinmenschlichen Themen finden sich wieder: Liebe und Abschied, Begegnung und Einsamkeit, Häuslichkeit und ungebundenes Leben, Alt und Jung.

Das Soldatenleben wird vor allem von seiner heiteren Seite gezeigt: Die Soldaten lieben die Freiheit und die Geselligkeit (2_1_1_1-018, -013), sie sind flotte Reiter, die der winterlichen Kälte trotzen (2_1_1_1-006), und »lustige Brüder«, die im Schützengraben musizieren (2_1_1_1-011), sie werden von den Mädchen geliebt und bewundert (2_1_1_1-015), sie sind furchtlos und draufgängerisch (2_1_1_1-004), aber auch gottesfürchtig und ehrerbietig (2_1_1_1-017, -016). Ein Teil der Abbildungen zeigt sie beim Marschieren: durch hügelige Landschaften, am idyllischen Waldesrand, durchs nächtliche wie durchs sonnige Städtchen, vorbei an winkenden Mädchen und Kindern (2_1_1_1-002, -002m, -003, -015). Die Verbundenheit der Soldaten mit Heimat und Familie ist naturgemäß ein wichtiges Thema dieser Karten, wurden sie doch vor allem als Feldpostkarten verschickt (2_1_1_1-010).

Eingebettet in diese Idylle von Natur und Heimat hat das Soldatenleben kaum etwas von seinem militärisch-straffen Erscheinungsbild und jener kämpferischen Dramatik, die charakteristisch ist für andere Soldatenliedkarten im Ersten Weltkrieg. Die bedrohliche Seite des Krieges wird bei Paul Hey in diesem Archiv nur auf wenigen Karten gezeigt, z. B. »Ich hatt’ einen Kameraden« (2_1_1_1-009) und »Haltet aus« (2_1_1_1-012). Doch werden keine Verwundungen gezeigt, äußerlich unversehrt sinken die Getroffenen zu Boden. Durchhalten ist das Thema der Karte »Die Artillerie ist unverdrossen« (2_1_1_1-004), allerdings mutet sie eher wie die Darstellung eines römischen Wagenrennens an, denn das im Lied genannte »Kampfgewühl der Schlacht« bleibt unberücksichtigt. Ebenso wenig gibt der friedliche Marsch über eine idyllische Anhöhe (2_1_1_1-002) etwas von der im Text erwähnten »blut’gen Siegesbahn« wieder. Wenn man Hey auch insgesamt wohl keine gezielten Propagandaabsichten unterstellen kann, da er einfach seinen gewohnten Darstellungsstil fortsetzte (siehe Rubrik 2.1.1), ist seine idyllisch-verharmlosende Schilderung doch sehr dazu angetan, dem Betrachter ein positives Bild des Krieges zu vermitteln.

Paul Heys Soldatenliederpostkarten sind vom »Verein für das Deutschtum im Ausland« herausgegeben (vgl. auch Rubrik 2.1.2), der auf der Schriftseite mehrfach zu einer »Volkssammlung für die kämpfenden Brüder u. die Vertriebenen aus Feindesland« aufruft. Der Verein unterstützt deutsche Schulen, Kindergärten, Büchereien und die deutsche Presse »außerhalb der Reichsgrenzen« und will damit zur Bewahrung und Stärkung »des deutschen Wesens« beitragen, besonders auch in Abgrenzung zur benachbarten slawischen Kultur.
(Friederike Ramm)

Literatur: Sabine Giesbrecht: Deutsche Liedpostkarten als Propagandamedium im Ersten Weltkrieg, in: Lied und populäre Kultur / Song and Popular Culture. Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchivs Freiburg, Jg. 50/51 (2005/2006), S. 55–97.

2.1.1.1 Bildpostkarten



20 Bilder, letzte Aktualisierung am 16.November 2006